fbm18 Mini-Series IV: Literatur

Vor lauter Politik und Menschen hätte ich es fast vergessen: zur Frankfurter Buchmesse fährt man ja eigentlich wegen der Bücher. Sehr schön fand ich in diesem Jahr die Präsentation der Gastland-Titel inmitten hölzerner Buchstaben. Gemäß dem Motto „made by characters“ war das georgische Alphabet in riesigen Buchstaben nachgebaut, allesamt verziert mit Zitaten und Geschichten zur Literatur des Landes. Außerdem gab es Buchstaben-Klebe-Tattoos, was auch ziemlich cool ist. Und nicht zuletzt konnte man natürlich überall auf der Messe georgische AutorInnen treffen, deren Werke es dank Ehrengast-Auftritt nun auch auf den deutschen Markt schaffen.

Georgien_Messe.jpg

Eher zufällig bin ich auf dem Weg zu einer Kommissar-Kugelblitz-Lesung bei Heinz Strunk vorbei gekommen und geblieben. Er erzählte von seinem neuen Buch Das Teemännchen und beklagte sich, dass man ihn immer noch als ausschließlich humoristischen Autor wahrnehme und beispielsweise Junge rettet Freund aus Teich fast gar nicht wahrgenommen wurde, obwohl es ihm selbst so gut gefällt. Na gut, ich hatte sowieso mal vor das zu lesen. Der goldene Handschuh habe ich nie gelesen, weil Freundinnen mir sagen, ich würde das zu eklig finden. Die Kugelblitz-Lesung habe ich übrigens nicht gefunden oder sie hat nie stattgefunden, das habe ich nicht abschließend herausgefunden. Aber so gut wie früher wird der eh nie mehr.

Eine sehr interessante Veranstaltung zu Literaturkritik unter digitalen Bedingungen gab es am Freitag.  Bei der Gesprächsrunde redeten Katharina Herrmann, Berit Glanz, Philipp Theisohn und Ekkehard Knörer über die Besonderheiten von Literaturempfehlung im Internet und was sie vom klassischen Feuilleton unterscheiden muss. Ich erwarte bei sowas immer ein bisschen Gelaber und blabla und war sehr positiv überrascht von der wirklich interessanten Runde. Vielleicht nehme ich was mit von dem Hinweis, dass Rezensionen online offener sein müssen, um eine Diskussion zu erlauben. Mal sehen. Ihr werdet es schon merken. Oder viel mehr ich werde es merken, wenn hier endlich mal jemand kommentiert.

Meine letzte Veranstaltung war der LitProm-Bestenliste gewidmet. Zoë Beck (Verlegerin und Übersetzerin), Andreas Fanizadeh (Leiter Kulturresort der taz) und Dani Landolf (Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband) stellten die Liste vor, auf der seit 35 Jahren Literatur jenseits des Eurozentrismus präsentiert wird. Mit der Liste soll AutorInnen aus Lateinamerika, Afrika und Asien zu größerer Bekanntheit und Präsenz im deutschsprachigen Raum verholfen werden. Außerdem soll die Übersetzung dieser Literatur ins Deutsche gefördert werden. Besonders im Buchhandel ist die Bekanntheit und Akzeptanz aber immer noch nicht überall gegeben. Vor allem in Buchhandelsketten wird den Titeln kaum oder gar kein Raum gegeben. Auch in klassischen Medien können Besprechungen dieser Titel nicht immer platziert werden, da schon zu viel Raum für bekanntere AutorInnen vorgesehen ist.

Neben diesen „größeren“ Veranstaltungen habe ich mich natürlich auch mit sehr vielen Leuten unterhalten, die sehr hinter den Titeln stehen, die sie produzieren. Das ist immer wieder schön zu sehen, gerade bei den kleineren und kleinen Verlagen. Ich versuche immer, von der Messe so wenig Papier wie möglich nach Hause zu schleppen, habe aber zumindest meine mentale Wunschliste um etliche Posten verlängert.

Im nächsten Jahr werde ich eine Pause brauchen. So interessant und spannend auch ist, jedes Jahr kann ich mir das nicht geben. Aber irgendwann komme ich wieder und freue mich dann doch auf so viele Menschen, Meinungen, Begegnungen und nicht zuletzt: Bücher.

Ein Gedanke zu “fbm18 Mini-Series IV: Literatur

  1. rheinsberg 21. Oktober 2018 / 15:13

    Vielen Dank, vor allem für den Tipp mit der LitPrombestenliste – diverse Literatur ist auf Deutsch wirklich noch wenig präsent.

    Gefällt 1 Person

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