3. Blog-Geburtstag – was ich mir wünsche

Die DSGVO hat in den letzten Wochen hohe Wellen in der Buchblog-Welt geschlagen. Viele hohe Wellen. Einige haben sie gar als Grund genommen, ihren Blog zu löschen. Andere beklagen, dass hier den kleinen BloggerInnen unverhältnismäßig große Steine in den Weg gelegt werden und dass es nun wirklich fiesere Datenkraken gäbe. Klar gibt es die, aber relativieren kann man immer alles. Es gibt (fast) immer jemanden, der noch fieser und noch schlechter ist und dann ist das ja auch noch eine Frage der persönlichen Moral. Darauf kann man sich halt nicht ausruhen.

BuchbloggerInnen wollen ernst genommen werden. Ihr Blog soll nicht als niedliches Hobby abgestempelt werden. Das ist auch eine legitime Forderung – viele BloggerInnen investieren extrem viel Zeit und manchmal auch Geld, wenn auch nur indirekt, z.B. für Messebesuche oder Foto-Equipment. Da könnte man ja auch mal über Kooperationen nachdenken, die vielleicht ein paar Euro bringen. Vielleicht könnte ja der Blog eines schönen Tages sogar eine Art Nebenjob werden. Aber Verantwortung?! Um Gottes Willen, woher soll ich denn Verantwortung nehmen? Ich hab ja noch nicht mal ein Impressum!

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Die Buchblog-Welt nach der DSGVO (Symbolbild)

Wer Content ins Internet stellt, trägt damit eine Verantwortung. Das Internet ist glücklicherweise kein rechtsfreier Raum und gerade Deutschland war in puncto Datenschutz schon immer recht streng. Vieles von dem, was in der DSGVO festgelegt wird ist schon lange (fast) so, es hat nur keine Sau interessiert. Fotos von Fremden beispielsweise durften auch bisher nur unter sehr strengen Einschränkungen veröffentlicht werden. Verstöße waren häufig, Widerspruch war möglich aber selten, Klagen noch seltener. Jetzt soll es, liest man auf twitter, verboten werden, Menschen überhaupt ohne deren Einverständnis zu fotografieren, auch wenn die Person noch nicht mal erkennbar ist. Ehrlich Leute, was wird denn das für ein Gesetz? Dann kann niemals mehr jemand ein Foto vom Brandenburger Tor machen, von den Bremer Stadtmusikanten oder von Schloss Neuschwanstein. Denn das schlimmste an den Leuten ist ja, dass immer überall welche sind und einem immer einer ins Bild rennt. Man könnte so ein Gesetz vielleicht sogar erlassen, aber für wie realistisch halten wir das denn? Allerdings wäre das mal wieder ein ganz neues Urlaubs-Feeling und wahrscheinlich sogar ziemlich entspannt.

Es irritiert mich, wie viele BloggerInnen jeden Quatsch gutgläubig aufsaugen, den irgendwer auf twitter oder auf facebook oder sonstwo behauptet. Wir wollen selbst Content im Internet verbreiten, sind aber selbst nicht in der Lage, einen simplen Fakten-Check durchzuführen? Das kann’s ja wohl nicht sein. Wir wollen, dass Leute unseren Blog abonnieren, dass sie Likes hinterlassen und unsere Inhalte teilen. Wir fragen uns keine Sekunde, wohin diese Daten gehen – außer in unser Ego. So einfach hätten wir es uns eigentlich nie machen dürfen. Ich verstehe, dass Leute verunsichert sind und erst recht, dass sie keinen Bock haben, da langweilige Sachen an ihrem Blog umzustellen, die zum Teil im hundertsten Untermenü versteckt sind. Hab ich auch nicht, aber um Bock geht’s hier nicht. Wenn es um Bock haben ginge hätte ich auch seit sechs Wochen das Bad nicht geputzt, aber manchmal hilft es halt nichts.

Hinzu kommt, dass die meisten von uns so weit am Ende der Kette sind, dass wir eh fast nichts machen müssen. WordPress, jetpack, Akismet, twitter, facebook, google und alle anderen, die irgendwas mit unseren Blogs zu tun haben sind viel interessierter daran, dass wir weiter bloggen, als wir selbst es sind. Weil wir deren Kapital sind, selbst mit unseren Gratis-Tarifen. Die werden schon gucken, dass das alles wasserdicht ist – nicht in unserem Interesse sondern im eigenen, versteht sich.

Mein großer Wunsch zum Blog-Geburtstag also: Get your shit together. Verfallt nicht in Panik, sobald ihr etwas nicht auf den ersten Blick versteht und glaubt nicht jeden Scheiß, den jemand ins Internet schreibt. Und wenn ihr ernst genommen werden wollt mit eurem Projekt übernehmt halt auch die Verantwortung dafür. Das wird euch niemand abnehmen.

24 Gedanken zu “3. Blog-Geburtstag – was ich mir wünsche

  1. soerenheim 15. Mai 2018 / 17:24

    Zustimmung zum Aufruf zu weniger Panik. Aber das Gesetz ist halt auch echt schlecht durchdacht, bzw vor allem die Auslassung des dt. Gesetzgebers bezüglich KUG usw. für Klarheit zu sorgen ist ziemlich dumm. Und zu sagen „wir warten dann mal ein paar Jahre Rechtssprechung ab“ ist subobtimal, weil halt die kleinen davor am meisten Zittern müssen & Gerichte sowieso viel zu tun haben. Nun soll es ja nochmal Nachbesserungen geben & das könnte durchaus mit dem (teils panikerzeugten) Druck zu tun haben…

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    • Marion 15. Mai 2018 / 17:49

      Klar ist das suboptimal, aber so läuft es halt mit EU-Verordnungen. Dass das für die Beteiligten nervenaufreibend sein kann ist klar, aber eine bessere Lösung ist nicht zu erwarten. Ich fürchte, das ist mit einem Großteil der Verordnungen so, man gehört aber eben nur selten zu den direkt Betroffenen.
      Davon abgesehen glaube ich nicht, dass gerade die kleinsten am meisten davor zittern müssen, schon gar nicht die mit 0 € Umsatz im Jahr. Abmahnungen können jeden treffen, das ist klar, aber hier wird mehr Panik gemacht, als angebracht ist. Es hätte auch schon seit Jahren beispielsweise jeder Blog ohne Impressum abgemahnt werden können und ich habe noch nicht mitbekommen, dass das tatsächlich passiert wäre. Also sicher ist es passiert aber eben in keiner Häufung, die nennenswert wäre.
      Solange das Credo der Verantwortlichen ist „wir warten mal ab“ kann ich halt auch nicht mehr machen.

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      • soerenheim 15. Mai 2018 / 18:30

        Sicher, wie gesagt, bin was die Panik betrifft bei dir. Aber die Möglichkeiten sich gegen Klagen im Rahmen unsauber formulierter Gesetze zur Wehr zu setzen sind halt durchaus ungleich verteilt. Andere Staaten haben das mit der Präzisierung ja auch hinbekommen. Viel Panik ist dann auch Dummheit. Viel etwa von dem, dessen sich „Street-Fotografen“ jetzt beraubt sehen, war auch vor der DSGVO problematisch bis verboten (die „Beiwerk“-Regel wurde zB von Fotografen fast immer zu weit ausgelegt & KUG schlug nie *per se* das Recht am eigenen Bild).

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        • Marion 15. Mai 2018 / 18:38

          Man hätte da vieles besser und sauberer im Vorfeld klären können, da hast du recht. Aber wenn sich da kurz vor knapp Seehofer und Merkel zusammensetzen… Tja.

          Andererseits habe ich vorhin in einem Artikel gelesen, dass es acht EU-Länder überhaupt nicht geschafft haben, die VO rechtzeitig in nationales Recht umzusetzen und die EU Justizkommissarin davon ausgeht, dass es noch mindestens zwei Jahre dauern wird, bis alle Firmen das richtig umgesetzt haben. So relaxt wie die EU müsste man mal sein 🙂

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          • soerenheim 15. Mai 2018 / 19:17

            Ach, ich will lieber nicht die EU sein. Dann würd ich mir selbst Geld schulden und mich dafür gleich zweimal hassen 😉

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      • thursdaynext 16. Mai 2018 / 15:53

        Echt? Cool, ich hatte mir Gedanken gemacht, aber die auch rasch wieder verdrängt. Zeit …;)

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        • Bri 23. Mai 2018 / 9:20

          Ach ja, da sieht man mal wieder, wie sehr ihr auf unserer Seite so ausserhalb der Posts unterwegs seid 😉

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  2. thursdaynext 15. Mai 2018 / 18:19

    Alles Gute zum 3. Bloggeburtstag. Weiterhin derer viele und Spaß an der Sache.

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  3. Anton Goldberg 15. Mai 2018 / 18:57

    Witzig: Morgen kommt mein Artikel zum 3. Bloggeburtstag und der DSGVO… Da sind unsere Blogs also beinahe auf den Tag genau gleich alt. Herzlichen Glückwunsch!

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    • Marion 15. Mai 2018 / 19:11

      Auch dir vielen Dank und keine Sorge – bisher nimmt die Literatur den weit größeren Raum ein und ich glaube, das wird auch so bleiben.

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  4. Constanze Matthes 15. Mai 2018 / 20:44

    Du sprichst mir aus der Seele! Alles Gute zum Blog-Geburtstag und weiterhin viel Freude, Kraft und Inspiration für die nächsten Jahre. Viele Grüße

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  5. Petra Wiemann 16. Mai 2018 / 9:23

    Herzlichen Glückwunsch zum dreijährigen Bloggeburtstag! Ich schätze deinen frischen Tonfall und lese deine Beiträge sehr gern!
    Von der DSGVO sollten wir uns wirklich nicht den Spaß am Bloggen verderben lassen, aber verantwortungsvoller mit den Daten unserer Leserschaft umgehen.

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  6. Bri 16. Mai 2018 / 9:24

    Aye – genau so. Einfach mal klar kommen. Herzlichen Glückwunsch zum Bloggeburtstag – auf weiterhin viele!! Herzliche Grüße, Bri

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  7. Niamh O'Connor 17. Mai 2018 / 22:55

    Vielen Dank für diese Stimme der Vernunft im Gewirr der Hysterien. Und natürlich auch von mir herzliche Glückwünsche zum Bloggeburtstag!

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  8. Mikka Liest 24. Mai 2018 / 12:09

    Hallo,

    die DSGVO hat mich in den letzten Wochen auch sehr beschäftigt. Als ich vor ein paar Monaten auf meinem alten Blogspot-Blog darauf hinwies, hatte das erstmal eine Kaskade an panischen Emails und Nachrichten auf FB, Twitter und Instagram zur Folge, dabei war Panikmache wirklch nicht meine Absicht gewesen… Außerdem war ich wohl kaum die richtige Person, um andere rechtlich zu beraten!

    Im ersten Moment fühlte ich mich selber auch ziemlich erschlagen, dann habe ich die Ärmel hochgekrempelt und einfach mal angefangen, erstmal das zu ändern, was offensichtlich zu ändern war, und dann darauf aufzubauen.

    Und ja, ich habe meinen Blog auf Blogspot auf Eis gelegt, aber das war im Grunde schon lange überfällig, weil ich mir schon im November 2017 einen neuen Blog bei WordPress erstellt hatte (nicht wegen der DSGVO, sondern weil mir die vielen Optionen gefielen), den alten Blog aber noch nicht wirklich loslassen konnte! Die DSGVO hat mir da nur den nötigen Tritt in den Allerwertesten verpasst.

    Für mich hatte die intensive Beschäftigung mit meinem Blog sogar einen interessanten Nebeneffekt: ich weiß jetzt sehr viel mehr über Dinge wie SEO, Content Security Policy, Domain Authority und allgemeine Blogsicherheit.

    Mir wurde auch viel Quatsch weitergetragen, wie zum Beispiel, dass WordPress (sogar self-hosted) ab morgen illegal sei. (?!) Oder dass die nötigen Verarbeitungsverträge (bei mir mit One.com und Wordfence) niemals rechtzeitig fertig werden würden. (Sind sie.)

    Einen schönen Bloggeburtstag wünsche ich nachträglich! 😀

    Ich habe diesen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt.

    LG,
    Mikka

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    • Marion 24. Mai 2018 / 16:20

      Hallo Mikka,

      vielen Dank für die Verlinkung und deine ausführliche Meinung.
      Ich glaube nicht, dass mein Blog jetzt 100% okay ist. Ich habe getan, was ich konnte, jetzt werden wir sehen. Das liegt auch mit daran, dass man aus jeder Ecke was anderes hört und ich nicht die Fachkenntnis habe das selbst richtig zu bewerten. Nach wie vor denke ich auch, dass die Panik deutlich überzogen ist und auch (fast) nur unter BuchbloggerInnen so verbreitet. Auf twitter etc. folge ich auch Blogs aus anderen Bereichen und da ist die DSGVO auch ein Thema, die Diskussion ist aber weit entfernt von der Untergangsstimmung, die ich in der Buchblogwelt wahrnehme.
      Auch mir hat die Auseinandersetzung mit dem Thema viel gebracht. An vielen Stellen war mir nicht klar, dass wordpress oder sonst wer dafür Userdaten zieht, z.B. für die Umwandlung von Smileys oder dass durch den facebook-Share-Button die Daten aller BesucherInnen gespeichert werden, auch wenn man diesen Button nicht nutzt. Ich hätte das alles vorher wissen können, hätte ich mich vorher damit auseinandergesetzt. Macht man ja aber nicht wenn man nicht muss. Insofern bin ich für den endgültigen Tritt in den Arsch mal ganz froh.

      Liebe Grüße,
      Marion

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