Women’s Prize for Fiction – die Longlist 2018

Pünktlich um Mitternacht am Internationalen Frauentag gibt es traditionell die Longlist des Preises, der nach einigen Jahren als „Baileys Prize“ jetzt wieder ohne Sponsoren-Namen ist. Die Finanzierung übernimmt jetzt eine „Sponsoren-Familie“, bestehend aus Baileys, dem Finanzdienstleister Deloitte und der National Westminster Bank.

Über eine Platzierung auf der Longlist freuen sich dieses Jahr:

Nicola Barker: H(A)PPY. Der hochgelobte Roman, der als „postapokalyptisches Alice im Wunderland“ bezeichnet wird, spielt in einer Welt, in der es keine Angst, keinen Tod und keinen Hass gibt und wirft die Frage auf, ob und wie so eine Gesellschaft funktionieren kann.

Elif Batuman: The Idiot. deutsche Übersetzung unter dem Titel Die Idiotin. Begleitet Selin, Literaturstudierende in Harvard, auf ihren ersten Schritten ins Leben als Erwachsene.

Joanna Cannon: Three Things About Elsie. Über Elsie muss man erstens wissen, dass sie eine sehr gute Freundin ist, die zweitens immer dafür sorgt, dass man sich besser fühlt und drittens etwas kompliziertes, was dieser Roman erklärt. Ein gefeierter Roman über Alter und Demenz.

Charmaine Craig: Miss Burma. Angelehnt an die Geschichte ihrer eigenen Familie erzählt die Autorin eine Geschichte der Kang, einer ethnischen Gruppe, die in Myanmar seit Jahrzehnten verfolgt wird.

Jennifer Egan: Manhattan Beach. Der Roman erzählt die Geschichte von Anna Kerrigan, die im Zweiten Weltkrieg zu einer der ersten Taucherinnen der Armee wird. Zufällig bekommt sie die Chance, das unerklärliche Verschwinden ihres Vaters aufzudecken.

Imogen Hermes Gowar: The Mermaid and Mrs Hancock. Erscheint in deutscher Übersetzung Ende März unter dem Titel Die letzte Reise der Meerjungfrau. Im London des 18. Jahrhunderts sorgt eine „Meerjungfrau“ aus Übersee für Aufsehen. Jonah Hancock ist der glückliche „Besitzer“ denn auf einem seiner Schiffe kam sie in die Stadt. Doch die Frau, deren Meinung für ihn am wichtigsten ist, fordert mehr: sie will eine eigene Meerjungfrau.

Jessie Greengrass: Sight. In diesem hochgelobte Debüt-Roman reflektiert eine Frau über ihr eigenes Dasein als Mutter, das Dasein und den Tod ihrer Mutter und die Sommer mit ihrer Großmutter. Verwoben mit diesen Überlegungen sind Entdeckungen der Medizingeschichte, die dazu dienen sollten, andere zu durchleuchten, ihr Innerstes zu sehen. Greengrass wirft die Frage auf, ob diese Techniken uns beim Verstehen der anderen helfen können.

Gail Honeyman: Eleanor Oliphant is Completely Fine. Auf deutsch erschienen unter dem Titel Ich, Eleanor Oliphant. Eleanor ist eine junge Frau, die jede soziale Interaktion scheut und am glücklichsten ist, wenn man sie einfach in ihrem Schneckenhaus lässt. Nun wagt sie sich langsam und tastend in die Welt hinaus.

Meena Kandasamy: When I Hit You: Or, A Portrait of the Writer as a Young Wife. Eine Frau ohne Namen verliebt sich einen Universitäts-Dozenten, zieht mit ihm in eine fremde Stadt und erkennt zu spät, dass er Ehe vor allem als Besitz begreift. Ihrem Widerstand begegnet er mit physische wie psychischer Gewalt.

Fiona Mozley: Elmet. Der Roman erzählt die Geschichte zweier Geschwister, die bis zu ihrer Pubertät bei ihrer Großmutter aufwachsen. Nach deren Tod leben sie mit ihrem Vater in einem selbstgebauten Haus mitten im Nirgendwo und am Rande der Gesellschaft. Der Vater verdient sein Geld vor allem mit illegalen Boxkämpfen, was natürlich weder Status noch ständig ausreichende Mittel einbringt.

Arundathi Roy: The Ministry of Utmost Happiness. Auf deutsch erschienen unter dem Titel Das Ministerium des äußersten Glücks. In ihrem neuen Roman erzählt Roy von der Gesellschaft Indiens, vom Kaschmir-Konflikt, Hijabs und dem ewigen Kampf um Anerkennung.

Sarah Schmidt: See What I Have Done. Auf deutsch erschienen unter dem Titel Seht, was ich getan habe. 1892 werden Andrew und Abby Borden mit einer Axt ermordet in ihrem Haus gefunden. Der Verdacht fällt auf ihre Tochter Lizzie, zum Tatzeitpunkt 32 Jahre alt.

Rachel Seiffert: A Boy in Winter. 1941 wird ein ukrainisches Dorf von der SS überfallen. Yankel, ein Junge der in diesem Dorf lebt, setzt alles daran, sich und seinen Bruder zu retten.

Kamila Shamsie: Home Fire. Aneeka und Parvaiz sind unzertrennliche Geschwister. Doch Parvaiz gerät zunehmend unter den Einfluss des radikalen Islam und erklärt es schließlich zu seinem Ziel, als Jihadist für den Glauben zu kämpfen.

Kit de Waal: The Trick to Time. Die junge Irin Mona kommt in den 70ern nach England, wo mit neuer Wohnung und neuem Job ihr Abenteuer beginnen soll. Gleich in der ersten Nacht verliebt sie sich und heiratet Hals über Kopf. Doch schon bald wird das junge Glück auf eine harte Probe gestellt.

Jesmyn Ward: Sing Unburied, Sing. In deutscher Übersetzung unter dem Titel Singt ihr Lebenden und ihr Toten, singt erschienen. Jojo wächst zusammen mit seiner Schwester bei den Großeltern in Mississippi auf. Seine Jugenderfahrungen sind nicht nur geprägt von der Suche nach männlichen Vorbildern, sondern auch von Armut und Rassismus.

Weiter geht es mit der Bekanntgabe der Shortlist am 23.04., für die sechs Titel ausgewählt werden. Ich wünsche mir Ward, Roy und Schmidt, aber das mit dem Wünschen hat im letzten Jahr schon schlecht geklappt, also lasse ich mich überraschen.

19 Gedanken zu “Women’s Prize for Fiction – die Longlist 2018

  1. fraggle 8. März 2018 / 9:39

    So ganz spontan würde ich sagen, das dürfte die erste Longlist sein, von der ich mit „See What I Have Done“ – allerdings in der deutschen Übersetzung – doch tatsächlich mal ein Buch gelesen habe. 🙂

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    • Marion 8. März 2018 / 9:55

      Wie fandest du es? Die Zusammenfassung liest sich ein bisschen wie „Alias Grace“.

      Und danke für den Hinweis auf die Übersetzung – die hatte ich glatt übersehen!

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      • fraggle 8. März 2018 / 10:06

        Mir hat es gut gefallen. Etwas düster, etwas unheimlich, das mag ich. 🙂 Stilistisch hatten es mit besonders die Abschnitte angetan, die aus Lizzies Sicht erzählt wurden. Allerdings verwendet die Autorin das eine oder andere wiederkehrende Bild oder Motiv, das ich nicht ganz begriffen habe. So werden beispielsweise im Buch sehr häufig Birnen gegessen – ich weiß nur nicht warum …

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  2. soerenheim 8. März 2018 / 9:59

    Kenne bisher nur das „Ministerium“. Fand ich relativ gut, obwohl „Der Gott der kleinen Dinge“ so etwa unter meinen top fünf Lieblingsbüchern sein dürfte.
    Das Schöne an solchen Longlists: Es verleiht dem Lesen in den nächsten Monaten wieder so eine Art äußeren Sinn 😉 In diesem Fall bis zu 15 mal…

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    • Marion 8. März 2018 / 10:07

      Roy und Ward werde ich auf jeden Fall lesen. Das Ministerium kenne ich noch nicht, obwohl ich der „Gott der kleinen Dinge“ extrem großartig fand.

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      • soerenheim 8. März 2018 / 10:18

        Ja, ein wunderbares Buch. Da kommt der neue nicht ran, aber mich hat er auch nicht enttäuscht, was bei dem Vorgänger viel heißt…

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        • letteratura 10. März 2018 / 10:10

          Ich sehe das im Prinzip auch so, finde aber auch, dass die Romane so unterschiedlich sind, dass man sie kaum vergleichen kann. Der Gott der kleinen Dinge ist viel weniger sperrig als das Ministerium, das ist aber auch ambitionierter und verarbeitet mehr Themen… Ich mochte das Ministerium liebe den Gott der kleinen Dinge.

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          • soerenheim 11. März 2018 / 10:46

            Warum sollte man das nicht vergleichen können? „Weniger sperrig / ambitionierter“ ist ja auch ein Vergleich ;). Ich glaube übrigens nicht, dass Der Gott der kleinen Dinge thematisch enger aufgestellt ist. Der Roman ist einfach konzentrierter, durchkomponierter. Vom großen postkolonialen Konflikt mit dem englischen Erbe über die Kämpfe politischer Splittergruppen und den Stadt/Landkonflikt, die Frage nach der Bedeutung des Mythos in einer sich rasch ändernden Welt, die Frage nach der Verortung der literarischen Tradition bis hin zu Fragen der Geschlechtsidentität und dem Verhältnis von persönlicher Freiheit, Familie und Politik gibt es kaum etwas, was nicht bereits in Der Gott der kleinen Dinge verarbeitet worden wäre.

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            • letteratura 11. März 2018 / 11:05

              Gut, wenn man es so sehen will, kann man wohl alles vergleichen… 🙂

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  3. nettebuecherkiste 8. März 2018 / 12:38

    Ich habe bisher nur Elmet gelesen, aber einige andere nominierte Bücher auf der Wunschliste. Auf „See What I Have Done“ bin ich besonders gespannt 🙂

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  4. thursdaynext 8. März 2018 / 20:32

    Barker; Cannon und Honeyman klingen verlockend. Bin mal gespannt. Das Ministerium ist ein Ding für sich. Der Gott der kleinen Dinge immer noch unagefochten, es ist anders aber gut.

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  5. thehateyougive 8. März 2018 / 21:39

    „Sing, Unburied, Sing“ ist eines der beeindruckendsten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. So ein richtiger literarischer Schlag in die Fresse.
    Hab heute „Home Fire“ angefangen und bin nach 1/4 sehr angetan davon, wie mühelos Shamsie die Antigone Geschichte in der Gegenwart neuerzählt.
    Und generell bin ich ein bisschen geflasht davon, wie viele Titel mir so überhaupt nichts sagen…

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  6. letteratura 10. März 2018 / 10:15

    Ich habe Home Fire gelesen (https://letteraturablog.wordpress.com/2017/09/19/das-politische-im-privaten-kamila-shamsie-home-fire/), war eines meiner Highlights 2017 und das Ministerium kenne ich bisher von der Liste. Jesmyn Ward scheint mir irgendwie in aller Munde, ich habe ihren letzten Roman gelesen und wurde gar nicht warm damit, daher reizt sie mich nicht mehr so richtig, aber vielleicht muss ich ihr doch noch eine Chance geben. Ansonsten wirklich viel, das mir nichts sagt. Interessant finde ich aber auch, dass die, die schon übersetzt wurden, hier keine große Rolle zu spielen scheinen – oder das ist nur meine persönliche Einschätzung, ich hatte von denen noch gar nichts gehört…

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    • Marion 10. März 2018 / 10:21

      Das ging mir sehr ähnlich. Ich wusste von Roy und Ward, dass sie übersetzt wurden, von allem anderen habe ich überhaupt nichts mitbekommen.

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  7. Wortlichter 30. März 2018 / 22:57

    Ich finde die Liste wirklich total interessant. Ich würde am liebsten jedes Buch davon zumindest anlesen. Aber das wäre wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Außerdem warten noch so viele Bücher darauf gelesen zu werden. Ich finde aber gerade die große thematische Mischung unheimlich spannend.

    Liebe Grüße, Anja

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