Urlaubslektüre

Es ist selten, dass ich so wenig zum Lesen komme wie im Urlaub. Entweder habe ich Besuch, mit dem ich Leuchttürme angucken muss oder ich bin selber unterwegs. Ich habe dann zwar immer ein Buch dabei, aber ich kann draußen so schlecht lesen, weil es oft so viel zu gucken gibt. Wenn ich wegfahre, dann meistens in Städte, die ich mir angucken muss und deren Rotwein ich trinken muss und dann kann ich abends auch nicht mehr. Meine einzige Hoffnung sind lange Wartezeiten an Flughafenterminals.

Diese Erfahrungswerte außer Acht lassend habe ich wie immer einen Stapel Urlaubslektüre angehäuft – wenn ich zwei davon schaffe, bin ich froh und glücklich.

Urlaubslektuere.JPG

Wenig handgepäckgeeignet ist mit guten 1000 Seiten Fahlmann von Christopher Ecker. Das hab ich vor Jahren mal vom Verlag bekommen, fast komplett gelesen und dann aus irgendwelchen Gründen 150 Seiten vor Schluss aufgehört. Dabei ist es brillant! Es geht zum einen um einen saarländischen Bestattungsunternehmer/Studenten/Schriftsteller, zum anderen um die Tendaguru-Expedition, über die er schreibt – meine monatliche Dosis Kolonialgeschichte. Und es ist ein wirklich selten gutes Buch. Vielleicht konnte ich es nicht über mich bringen, die Sache zu beenden. Jetzt also nochmal.

Vielleicht eher was für den Strand ist Jasper Ffordes First Among Sequels, der fünfte Teil der Thursday Next-Reihe. Ich lese die Reihe eigentlich seit vier Jahren, bin hier aber steckengeblieben weil – wichtiger Grund – ich diesen Band nicht mit dem passenden Cover bekommen habe. Ich bin da sonst nicht so, aber bei Thursday Next hat es mich echt aus dem Konzept gebracht. Als ich dann endlich das „richtige“ Cover hatte, hatte ich irgendwie das Interesse verloren.

Sicher auch super für den Strand ist How to Be an Existentialist von Gary Cox. Existenzialismus ist mein On/Off-Interesse seit ich 17 war und mein damaliger Freund glaubte, er sei Existentialist. Das war mein erster Kontakt damit und ich dachte ziemlich schnell, dass er eigentlich eher Nihilist sei, 15 Jahre später denke ich, dass er vor allem ein ziemlicher Vollpfosten war. Ein diffuses Interesse allerdings ist geblieben (an Sartre, nicht am Freund, auch wenn er das immer noch anzuehmen scheint).

An Elena Ferrantes Meine geniale Freundin führt zur Zeit ja wohl kein Weg vorbei. Gehypte Bücher machen mich misstrauisch und die englischen Cover schrecken mich total ab, aber fünf quergelesene Seiten haben mir sehr gefallen. Also mal sehen.

Mit Shylock is My Name steht der zweite Teil der Hogarth-Reihe auf der Liste. Es ist eine Adaption von „Der Kaufmann von Venedig“ und ich bin gespannt, was Jacobson draus macht. Das Drama werde ich auch nochmal lesen müssen, das ist zu lange her.

Pessoas Buch der Unruhe ist meine eigentliche Urlaubslektüre, denn es geht nach Lissabon. Laut Großhändler sollte in diesem Monat auch Boca do Inferno im Taschenbuch erscheinen, das kommt jetzt aber wohl erst im Frühjahr. Die Dame beim Reiseveranstalter war extrem unkulant und offensichtlich auch verständnislos und ich konnte meine Reise nicht mehr kostenfrei stornieren, deswegen muss es jetzt das sein.

Die letzten beiden auf der Liste sind Margaret Atwood mit Lady Oracle und Virginia Woolf mit Orlando, weil ich, kurz und knapp, auf die beiden einfach mal wieder Bock hatte.

Aber ich komm ja eh zu nichts davon!

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9 Gedanken zu “Urlaubslektüre

  1. letteratura 26. August 2016 / 19:07

    Gibt es denn dazu auch eine Rangliste? Oder ist Deine Reihenfolge da die Reihenfolge, in der die Bücher gelesen werden? Wobei, ne, am besten ist es, sich spontan zu entscheiden. Bin gespannt. Die Thursday-Next-Reihe habe ich auch irgendwann unterbrochen, ohne zu wissen, warum, ich fand das damals großartig. Ist aber lange her.Elena Ferrante würde ich gern auf Italienisch lesen, aber es (mein Italienisch) ist so eingerostet und das endet dann irgendwie damit, dass ich es gar nicht lese. Ich habe durchaus schon kritische Stimmen gehört und im ersten Band sind die beiden Mädels, um die es geht, ja noch ziemlich jung (soweit ich weiß) und das finde ich auch nicht soooo interessant. Mal gucken, was Du sagen wirst. Danke noch für den Vollpfosten, hab mich amüsiert! Schönen Urlaub Dir!

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    • Marion 26. August 2016 / 19:14

      Ich glaube, als erstes will ich Pessoa lesen. Und dann glaub ich Atwood. Aber das muss ich dann mal sehen…
      Der Vollpfosten hat in den letzten Jahren schon für eine Menge Spaß gesorgt 🙂

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  2. thursdaynext 26. August 2016 / 19:33

    Herrlich deine Einschätzung des Existenzialistenpfostens 15 Jahre später. Solche Pfosten hat wohl jede in ihrer Sammlung.Meiner hat mir Police völlig vermiest. Kein großer Schaden im Nachhinein. Habe mich köstlich amüsiert obwohl die Thursdaynext Reihe zu unterbrechen bei mir auf völliges Unverständnis trifft😉 Schönen Urlaub. Ich hab nur 2 Bücher dabei…

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