Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit

harariHarari verspricht seinem Publikum einen Überblick über die gesamte Geschichte der Menschheit, gut lesbar bis unterhaltsam geschrieben und vor allem fundiert recherchiert – immerhin ist er ein sehr angesehener Historiker.

Was er liefert ist vor allem ein Überblick über seine Meinung zur Geschichte der Menschheit. Tatsächlich behandelt Harari die gesamte Geschichte der Menschheit, von den ersten Menschen über die landwirtschaftliche, kognitive und industrielle Revolution bis hin zu modernen Menschen und einem Ausblick in eine mögliche Zukunft. So als Überblick ist das spannend, er zeigt auch Zusammenhänge auf, die einem vorher vielleicht nicht so bewusst waren und setzt einzelne Ereignisse in einen größeren Kontext.

Allerdings, und das hat mich massiv gestört, wertet er fortwährend. Beispielsweise betont er mehrfach, wie schrecklich er Massentierhaltung findet. Ja, ist sie, in der Tat. Genauso ist es ziemlich unverkennbar, dass Harari weder vom Kommunismus noch von Religionen viel hält. Auch das kann ja seine Meinung sein, hat aber an dieser Stelle nichts verloren. Von einem Buch dieser Art erwarte ich, dass der Autor neutral bleibt. Ich will wissen, was passiert ist, eine Meinung kann ich mir dann schon selber bilden.

Zudem werden Hypothesen in den Raum gestellt, ohne dass diese irgendwie weiter belegt werden oder belegt werden könnten, etwa wenn Harari behauptet, dass niemand, absolut niemand eine landwirtschaftliche Revolution wollte. Niemand? Niemand dachte, dass das doch ganz nett sei mit dieser Sesshaftigkeit und den drei Schafen hinterm Haus?  Das ist eben schlicht nicht belegbar. Und auch an Stellen wie diesen kommt die Meinung des Autors stark durch – manchmal klingt es, als würde er sich nichts mehr wünschen, als mit einem Speer bewaffnet durchs Unterholz zu streifen, unbehelligt von der modernen Welt. Und gelegentlich stellt er in seiner absoluten niemand-niemals-Begeisterung Thesen auf, die schlicht falsch sind – weil die meisten Ereignisse eben nicht nur eine Seite haben und jede Katastrophe ihre Nutznießer hat.

Was er in seinem Buch schreibt, ist alles auch nicht besonders neu, aber das kann man ihm ja auch nicht vorwerfen. Die Geschichte der Menschheit ist nun mal schon erforscht, man kann das alles nur noch in neue Zusammenhänge bringen und wie gesagt – das gelingt ihm auch. Zumindest gelegentlich, dann verfällt er wieder in einen Plauderton, der Ereignisse einfach aneinander reiht, wie man das von Bryson kennt. Allerdings ist Harari dabei weit weniger unterhaltsam.

Als Hörbuch funktioniert das alles ganz gut, durch den sich durchziehenden Plauderton muss man sich nicht zu sehr konzentrieren und kann es einfach nebenher laufen lassen. Gelesen ist es solide, Wunder vollbringen kann man mit der Vorlage aber eben auch nicht.


Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit. Pantheon 2015. 528 Seiten, € 14,99. Deutsche Erstausgabe DVA 2013. Übersetzt von Jürgen Neubauer. Originalausgabe: Sapiens: A Brief History of Humankind. Harvill Secker 2014. Hörbuch: Der Hörverlag. ca. 17 Stunden, € 19,99. Gelesen von Jürgen Holdorf.

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