Was ich noch zu Pirinçci sagen wollte

Viel Aufregung war in den letzten Tagen um Akif Pirinçci und seine Bücher, ausgelöst durch seine Rede am Montag. Sein neues Buch, Die große Verschwulung hätte vorgestern bei manuscriptum erscheinen sollen, seit heute ist es tatsächlich auch lieferbar. Zumindest beim Verlag, praktisch jeder andere Vertrieb hat sich ausgeklinkt. Bei amazon, thalia, libri und Co sucht man vergebens nach dem Titel. Auf die Bestsellerlisten wird es das Buch also wohl nicht schaffen, nachdem Deutschland von Sinnen sich im letzten Jahr wochenlang dort gehalten hat.

Seit die Random House-Gruppe am 20.10. angekündigt hat, alle seine Titel mit sofortiger Wirkung aus der Auslieferung zu nehmen, verschwinden auch Felidae und die anderen Bücher Pirinçcis aus immer mehr Katalogen.

Um das vorweg zu nehmen – ich finde das gut. Ich finde es gut, dass die Verschwulung weit weniger Publikum finden wird als Pirinçcis letztes Buch. Ich finde, Random House kann sich von Autoren trennen, wenn diese nicht (mehr) zum Verlag passen. Ich finde es gut, wenn Unternehmen Stellung beziehen und Dinge nicht vertreiben, die sie inhaltlich nicht tragbar finden. Und jetzt kommt mein aber.

Der gleiche Buchhandel, der jetzt Pirinçci inklusive aller Katzenkrimis sperrt, hat im letzten Jahr Deutschland von Sinnen im Stapel verkauft. War ja schließlich ein Bestseller. Dabei hat auch da schon der Untertitel Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer eigentlich keine Fragen mehr offengelassen. Und wenn man mal einen Blick reingeworfen hat – nun ja. Der gleiche Buchhandel, der sich (zu Recht) über Pirinçcis Bücher echauffiert, hat Titel von anderen Autoren am Lager, die keinen Millimeter besser sind als Pirinçci – ich rede hier nur von ihren Texten, nicht von anderen Äußerungen. Autoren, die jetzt ihre Bücher nicht mehr bei Manuscriptum sehen wollen, haben sich über Jahre nicht an ihrer verlegerischen Nachbarschaft gestört. Pirinçci war Montag nicht das erste mal bei pegida. Der Skandal war nur bisher nicht so groß. Es gab auch vor dieser Woche reichlich Grund und Gelegenheit, sich von ihm zu distanzieren.

Jetzt in der allgemeinen Welle der Entrüstung Bücher aus dem Verkauf zu ziehen ist einfach, es ist aber auch ein Signal. Allerdings ein sehr spätes und schwaches Signal und nicht konsequent zu Ende gedacht. Wenn ich (beispielsweise) bei amazon jetzt nach Pirinçci suche, werden mir seine Titel nicht mehr angezeigt, dafür aber Udo Ulfkotte und andere Perlen aus dem Kopp-Verlag. Dann lieber Katzenkrimis.

Ja, man kann und soll diese Bücher aus dem Programm nehmen. Dann aber bitte mit Konsequenz. Wer Pirinçci aus dem Sortiment schmeißt, kann nicht Ulfkotte verkaufen. Wir haben bei Erscheinen von Pirinçcis letztem Buch Deutschland von Sinnen beschlossen, dass Titel, die der Großteil des Teams für nicht tragbar hält, einfach nicht am Lager sind, wo immer sie auch auf der Bestsellerliste stehen und wer auch immer sie geschrieben hat. Und auch wenn hin und wieder jemand meckert, fahren wir damit bisher sehr gut. Einzelne Personen zu bashen ist natürlich erstmal befriedigend, ich kann mich da nicht ausnehmen, hilft am Ende aber auch nicht weiter.

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