Stephan Orth: Couchsurfing im Iran

couchsurfingZwei Monate tingelte der Autor durch den Iran, von Couch zu Couch (bzw. Teppich zu Teppich) und lies sich dabei weniger von Empfehlungen aus dem Reiseführer leiten oder auch nur von den eigenen Plänen, sondern lies sich komplett auf das ein, was seine Gastgeber ihm vorschlugen.

An sich eine spannende Sache. Leider bleibt das ganze aber ein bisschen zu oberflächlich – tatsächlich kann ich mich ein paar Tage nachdem ich das Buch zu Ende gelesen habe, kaum noch an eine der Geschichten erinnern. Der Anfang ist spannend, da beschreibt er eine gar nicht so einfache Begegnung mit zwei iranischen Zöllnern, die hoffentlich, bitte, nicht zu weit durch die Bilder auf seiner Kamera scrollen. Aufgrund der ersten Szene wollte ich das Buch auch unbedingt weiterlesen. Und dann bin ich halt irgendwie dran geblieben, schlecht ist es ja auch nicht.

Es ist nett, mal eine andere Geschichte vom Iran zu lesen, von nicht radikalen Leuten, die einfach so vor sich hin leben und normale Dinge tun. Allerdings, aber das räumt der Autor auch ein, trifft er auf dieser Reise nahezu nur jüngere, gebildete Menschen, die weltoffen genug sind, um völlig fremde Reisende bei sich aufzunehmen. Ein differenziertes Bild der iranischen Gesellschaft ist das natürlich nicht, aber schließlich ist der Mann kein Soziologe, und das auch nicht der Anspruch des Buchs, also was solls.

Wenn man nicht wüsste, dass das alles im Iran spielt, würde man es an vielen Stellen gar nicht merken. Und deswegen ist das Ganze ein bisschen so, wie die Geschichten, die man in Aufenthaltsräumen von Hostels erzählt bekommt, wenn man nicht schnell genug geht. Eine nette Reisegeschichte, ganz gut erzählt, aber am Ende bleibt nicht sehr viel hängen.


Stephan Orth: Couchsurfing im Iran. Meine Reise hinter verschlossene Türen. Malik 2015. € 14,99, 240 Seiten.

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