Vea Kaiser: Makarionissi

makarionissiIch habe niemals Blasmusikpop gelesen, obwohl ich es immer vorhatte, und mich deshalb sehr gefreut, in diesem Frühjar mit Makarionissi oder Die Insel der Seligen eine neue Vea Kaiser-Chance zu bekommen.

Und das Buch fängt großartig an. Die Autorin bleibt den Bergen treu und lässt die Handlung in Varitsi beginnen, einem winzigen Bergdorf an der griechisch-albanischen Grenze. Dort leben Yiayia Maria und ihre inzwischen verheirateten Töchter Pagona und Despina. Als semi-professionelle Kupplerin macht Maria sich Sorgen um ihren Enkel Lefti, Sohn von Despina – alle Töchter des Dorfes sind versprochen, wen also soll ihr geliebter Junge heiraten? Endlich erbarmt sich Pagona und setzt noch Tochter Eleni in die Welt, die eines Tages Leftis Frau werden soll.

Bis hierher war der Anfang ziemlich Middlesex. Und bis hierher war der Text auch gut. Auch die Kindheit und Jugendzeit, die Lefti und Eleni zusammen verbringen, liest sich gut. Aber danach hört der Spaß auf. Sowohl für Eleni, die Lefti heiraten muss, obwohl sie überhaupt keine Lust dazu hat, als auch für mich.

Die beiden wandern nach Deutschland aus, wo Lefti eine Stelle in einer Fabrik bekommen hat, und so öde wie die Hildesheimer (dort landen die beiden) Fußgängerzone wird auch der Roman. Die Ehe läuft erwartbar schlecht, die Trennung ist unumgänglich. Beide gehen ihrer Wege, die alles andere als gerade verlaufen, aber erst, als Eleni in die USA auswandert, kommt wieder etwas Fahrt in die Geschichte, die aber auch recht schnell wieder vergeht.

Der Rest ist eben Familiengeschichte. Die Charaktere fand ich alle recht platt, womit dann auch weder ihre inneren Konflikte noch die untereinander wirklich nachvollziehbar waren. Man streitet sich um dieses und jenes und am Ende versöhnt man sich meistens wieder, schließlich ist es Familie. Der Stammbaum am Beginn des Buchs ist überschrieben mit „Der Geschichte Helden“ und ein bisschen wie ein griechischer Helden-Epos liest sich der Roman auch – die Personen werden vom Schicksal durch die Welt gezerrt und an jeder Ecke lauert ein glücklicher oder unglücklicher Zufall, der sie eine andere Richtung schubst. Sehr, sehr viele Zufälle, mir persönlich zu viele. Dazwischen eingetreut sind immer wieder griechische Heldenmythen und die sind dann auch gut zu lesen. Den Roman außenrum hätte ich persönlich nicht gebraucht.


Vea Kaiser: Makarionissi oder Die Insel der Seligen. Kiepenheuer & Witsch 2015. € 19,99, 464 Seiten.

Advertisements

Sag was!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s